Faszination Regenwald

Bild Zerstörung

Rinderwahnsinn

Die Zahlen sind in jeder Hinsicht beeindruckend: 20 Milliarden Nutztiere leben auf der Erde, davon etwa 1,5 Milliarden Rinder. Allein das Gewicht der Rinder übersteigt das aller Menschen um mehr als das Doppelte. In Deutschland gibt es, Stand November 2017, etwa 12,3 Millionen Rinder, 27,6 Millionen Schweine, 1,6 Millionen Schafe und 39,6 Millionen Legehennen (Bundesamt für Statistik). In Österreich gibt es, Stand Dezember 2017, etwa 1,9 Millionen Rinder und 2,8 Millionen Schweine.

Für die Viehzucht werden 30 Prozent der Landoberfläche und 70 Prozent des landwirtschaftlich genutzten Landes verwendet. Von der weltweit verfügbaren Ackerfläche dienen 33 Prozent allein der Erzeugung von Futtermitteln (hauptsächlich Soja) für diese Massen an Nutztieren, die zehnmal mehr Nahrungsenergie verbrauchen als die gesamte Menschheit.

Luxux Fleisch

Die Welt wird immer reicher, der Fleischkonsum steigt beständig und trotzdem herrschen in vielen Ländern noch Hunger und Armut. Die Welternährungsorganisation der UNO (FAO) sagt eine Zunahme der Fleischproduktion voraus von derzeit 229 Millionen auf 465 Millionen Tonnen im Jahr 2050 und für die Milchproduktion von derzeit 580 Millionen auf 1043 Millionen Tonnen.

Die steigende Nachfrage nach Fleisch führt auch zu einer steigenden Nachfrage nach Weideflächen. In den Jahren 1990 bis 1995 wurden in Brasilien 124.000 Quadratkilometer Regenwald gerodet um die gewonnenen Flächen in Weideland umzuwandeln. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Rinder auf über 150 Millionen an. Im Jahr 2016 standen auf Brasiliens Weiden 218 Millionen Rinder.

Grafik: Rinder in Brasilien zwischen 1961 und 2016

Rinder in Brasilien zwischen 1961 und 2016: Die Grafik zeigt die Zahl der in Brasilien gehaltenen Rinder von 1961 bis 2016. Die Auswertung erfolgte am 27.04.2018 mit Hilfe der Datenbank der FAO (FAOSTAT).

Rinderhaltung auf abgeholzten Regenwaldflächen

Der Zyklus, in dem der Regenwald vernichtet wird, lautet: Holz, Vieh, Soja. Holzfäller schlagen die wertvollen Bäume und öffnen den Wald. Viehzüchter folgen den Holzfällern und verbrennen die restlichen, weniger wertvollen Bäume. Weil die Viehzucht nicht profitabel ist, folgen auf die Viehzüchter die Sojapflanzer und pflanzen Soja. Das bringt mehr Profit.

Warum ist die Rinderhaltung auf den nährstoffarmen Böden, auf denen einst tropische Regenwälder standen, nicht profitabel? Lediglich ein Rind kann pro 0,8 Hektar (8.000 Quadratmeter) Weidefläche gehalten werden, mehr vertragen die kargen Böden nicht. Daraus ergibt sich eine Fleischproduktion von etwa 40 Kilogramm pro Jahr und Hektar. Zum Vergleich: In Deutschland sind es bis zu 2.500 Kilogramm. Und auch die Ökobilanz für die Produktion von Fleisch ist denkbar schlecht. Während der zwei Jahre dauernden Mast eines Rinds von 600 Kilogramm Gewicht ergibt sich:

  • Verbrauch von 3,5 Tonnen Soja und anderem Getreide als Futtermittel (zwischen 7 und 16 Kilogramm Futtermittel pro Kilogramm Fleisch),
  • Verbrauch von 600.000 Liter Wasser für den Anbau der Futtermittel,
  • Verbrauch von 14.000 Litern Trinkwasser für das Tier,
  • Verbrauch von 2.500 Litern Treibstoff als Energie für Landrodung, Futtermittelanbau usw.,
  • Freisetzung großer Mengen Kohlenstoffdioxid, Methan und Dung.

Welch eine Verschwendung für nur 300 Kilogramm Fleisch! Auf der Erde hungern über 850 Millionen Menschen trotz des weltweiten Getreideertrags von 1,6 Milliarden Tonnen (Daten von 2006). Das heißt, für jeden der rund 6,6 Milliarden Menschen gäbe es rein rechnerisch pro Tag 652 Gramm Getreide. Doch knapp die Hälfte des Getreideertrags und 90 Prozent der jährlichen Erträge von Sojabohnen landet in den Trögen der 20 Milliarden weltweit vorkommenden Nutztiere.

Viehzucht in Brasilien an der Grenze von Mato Grosso und Para. Die kleinen weißen Punkte sind Rinder, die schwarzen Striche sind gefällte Urwaldriesen. Mit (-) oben links im Bild können Sie den Zoom-Level verkleinern, dann wird die gigantische Größe der Rinderfarmen deutlich. Links ins Bild kommt dann der Soja-Highway BR163, der sich von Santarem am Amzonas bis tief in den Süden Brasiliens zieht.

Subventionierter Raubbau

Dazu kommen Subventionen, denn ohne die Subventionen (hauptsächlich Steuererleichterungen und billiges Land) wäre die Rinderzucht nicht rentabel. Zu schwierig ist das Land zu bewirtschaften. Zusammen mit niedrigen Löhnen wurde die Rinderzucht regelrecht zur Rentabilität subventioniert.

Bis zu 75 Prozent der Investitionssumme zahlte die Regierung den Investoren – aus Steuermitteln! Riesige Flächen tropischen Regenwalds wurden abgebrannt, enorme Artenvielfalt im wirtschaftlichem Rausch durch Grasmonokulturen ersetzt. Dass das Holz nicht einmal verwendet wurde, weil die Brandrodung der Regenwälder subventioniert wurde, spottet jeglicher Beschreibung.

Ein Lichtblick?

Rinderfarmer, die in Brasilien illegal Regenwald abholzen, erhalten seit Frühjahr offiziell 2008 keine Kredite mehr; Umweltminister Minc ließ bereits 3000 Kühe beschlagnahmen, die auf illegalen Weiden gegrast hatten.

Forscher des angesehenen brasilianischen Imazon-Instituts sehen in dieser Maßnahme einen Erfolg für den Regenwald. Während früher die Waldvernichtung je nach dem Preis für Fleisch und Soja gestiegen oder gesunken sei, werde diese Abhängigkeit jetzt erstmals durchbrochen.

Und mit dem Ende der staatlichen Subventionen endet auch schlagartig das Interesse der Investoren am Bulettenhandel. Die Farmen werden wieder verkauft, zurück bleiben trostlose Steppenlandschaften. Auch hier wieder ein Teufelskreis, der zur Vernichtung der tropischen Regenwälder führt.

Betrogen werden bei diesem schmutzigen Geschäft letztlich auch die brasilianischen Steuerzahler. Denn mit ihren Steuern werden Buletten und Hamburger finanziert, die fast ausschließlich in den USA und Europa billig verkauft werden.

Folgen des fleischgewordenen Wahnsinns

Die Umwandlung von Flächen, auf denen einst tropische Regenwälder standen, in Weideland, führt zu schwerwiegenden Umweltproblemen:

  • Ein einmaliger Artenreichtum muss Weideland weichen.
  • Bei der Verdauung der Rinder entsteht Methan, das ein viel stärkeres Treibhausgas ist als Kohlendioxid. Die Mengen sind riesig: etwa 200 Liter pro Rind und Tag.
  • Das in der Vegetation der intakten Regenwälder gebundene Kohlendioxid wird in großen Mengen freigesetzt und entweicht in die Atmosphäre. Die Weiden binden zwar auch Kohlendioxid aber nicht in der Menge, wie sie beim Verbrennen der Regenwälder freigesetzt wird. Die Kohlendioxid-Bilanz von Weideflächen ist also eindeutig negativ.
  • Für die Erzeugung von Fleisch und den anschließenden Export müssen große Mengen Energie bereitgestellt werden.

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