Faszination Regenwald

Bild Zerstörung

Verlust der Regenwaldapotheke

"Die Natur ist die beste Apotheke", sagte schon Sebastian Kneipp. Die Hälfte aller weltweit zugelassenen Medikamente sind pflanzlichen Ursprungs. In 1.400 Tropenpflanzen wurden bisher mögliche Wirkstoffe für die Behandlung von Krebserkrankungen entdeckt. Der erste Wirkstoff für die Antibabypille wurde in der Wurzel der mexikanischen Yams-Pflanze gefunden. Ein wichtiges Medikamente ist heute das Muskelrelaxans Tubocuranin, das aus Kurare gewonnen wird. Der Chinarindenbaum aus Amazonien liefert den Wirkstoff Chinin, der seit Jahrzehnten erfolgreich gegen Malaria eingesetzt wird – der tropische Regenwald, ein universelles Chemielabor.

Das Madagaskar-Immergrün

Das unscheinbare Madagaskar-Immergrün (Catharantus roseus) enthält die Alkaloide Vinblastin und Vincristin, die gegen die Hodgkin-Krankheit und die lymphatische Leukämie helfen. So konnten die Heilungschancen gegen die beiden Leukämie-Formen von 20 auf 80 Prozent gesteigert werden.

Abgesehen vom Nutzen für die betroffenen Menschen, bringen diese beiden Substanzen gegenwärtig jährlich mehr als 100 Millionen Dollar ein. Der tropische Regenwald ist tatsächlich eine pharmakologische Goldgrube.

Es gibt fünf weitere Immergrün-Arten auf Madagaskar, von denen keine näher untersucht ist. Eine von Ihnen wird bald ausgestorben sein, weil der Mensch ihren Lebensraum vernichtet.

In jedem vierten Medikament finden sich heute Stoffe, die aus Regenwaldpflanzen gewonnen wurden. 5.000 Pflanzenarten sind erst vollständig wissenschaftlich auf ihre Eignung als Medikament untersucht. Wie viele der dringend benötigten Medikamente gegen Krebs oder Aids könnten wir bereits besitzen, wenn wir statt der bekannten 5.000 alle 240.000 Pflanzenarten untersucht hätten?

Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) schätzt den Wert der weltweiten „Hot Spots“ der Biodiversität allein für die Medikamentenentwicklung auf über 7.500 Euro pro Hektar.

Apotheke Regenwald

Zunehmend werden auch Tiere auf Naturstoffe mit medizinischer Wirksamkeit untersucht. Aufgrund ihrer Artenvielfalt bieten sich Insekten und Weichtiere an. Beispiele für die Vielfalt der medizinisch nutzbaren Stoffe aus der Natur:

  • Croton lecheri ist ein schnell wachsender Baum aus den tropischen Regenwäldern Kolumbiens, Ecuadors und Peru, aus dem ein roter Milchsaft (Drachenblut, Sangre de Drago) gewonnen wird. Der Saft wird als Wundheilmittel (Flüssigpflaster) mit entzündungshemmender Wirkung eingesetzt.
  • Die Conotoxine der Kegelschnecken: jede der etwa 500 Kegelschneckenarten hat einen arttypischen Satz von 50 bis 200 individuellen Giften (Toxinen), die an verschiedenen Stellen im Nervensystem angreifen können und deshalb in der Therapie von neurologischen Erkrankungen sehr erfolgversprechend sind. Ziconotid ist ein Giftstoff aus einer Kegelschnecke, der tausendmal stärker als Morphium ist.
  • In den 1980er Jahren wurden in Australien die Magenbrüterfrösche der Gattung Rheobatrachus entdeckt. Die Frösche brüten ihren Nachwuchs im Magen der Mutter aus. Normalerweise würden die Jungen im Magen verdaut werden, aber bei diesen Fröschen produzieren die Jungen zahlreiche Substanzen, die sie vor den Verdauungsenzymen und der aggressiven Säure im Magen der Mutter schützen. Wissenschaftler erkannten den therapeutischen Wert der Magenbrüterfrösche, immerhin leiden allein in den USA 25 Millionen Menschen an Magengeschwüren; eine Erforschung kann jedoch nicht mehr stattfinden, weil beide Arten und mit ihnen ihre medizinischen Geheimnisse ausgestorben sind!
  • Pumiliotoxin, das Hautgift des Panama Pfeilgiftfroschs Dendrobates pumilio stärkt den Herzmuskel.
  • Neue Schmerzmittel könnten aus dem Hautgift des Ecuador Pfeilgiftfroschs entwickelt werden.
  • ... mehr Beispiele unter: Biodiversity Loss - It Will Make You Sick, United Nations Environment Programme (Englisch).
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