Faszination Regenwald

Bild Zerstörung

Palmöl – das grüne Erdöl

In den 1990er Jahren wurde Palmöl, das Öl der Ölpalmen, noch hauptsächlich von der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie abgenommen, wo es bis heute ein wichtiger Grundstoff für Margarine, Frittierfett, Schokolade, Tiefkühlpizza, Waschmittel und Kosmetikprodukte ist. Im Supermarkt enthält heute fast jedes zweite angebotene Produkt das billige Palmöl. Die Ölpalme (Elaeis guineensis) stammt ursprünglich aus Afrika. Die fetthaltigen Früchte der Ölpalme werden für die Gewinnung des Öls aufgearbeitet, das viele gesättigte Fettsäuren enthält.

Doch seit dem Boom der Agrartreibstoffe ist die Nachfrage nach Palmöl regelrecht explodiert. Innerhalb der letzten 10 Jahre verdoppelte sich der Palmölverbrauch weltweit auf 30 Millionen Tonnen. Palmöl fließt immer öfter in unsere Autotanks und beschleunigt dadurch die Zerstörung der tropischen Regenwälder; zusätzlich wird der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß massiv erhöht.

Ölpalmenfrüchte

Die Früchte der Ölpalmen, aus denen das Palmöl gewonnen wird (© 2006, Dr. Willie Smits).

Aus welchen Ländern kommt das Palmöl?

Die Ölpalme gedeiht am besten in tropischem Klima. Noch kommen mehr als drei Viertel des global produzierten Palmöls aus den südostasiatischen Ländern Indonesien und Malaysia. Im Jahr 2015 haben Indonesien und Malaysia 33 Millionen bzw. 20,5 Millionen Tonnen Palmöl (IndexMundi, 2016) produziert. Doch Südamerika holt auf. In Kolumbien wird sehr viel Regenwald für den Anbau von Ölpalmen vernichtet. Kolumbien hat im selben Jahr etwas mehr als eine Million Tonnen Palmöl produziert. Hinter Indonesien, Malaysia und Thailand (2,2 Millionen Tonnen im Jahr 2015) steht Kolumbien damit bereits auf Rang vier der Palmöl-produzierenden Länder.

Mehr und mehr rückt Amazonien in den Blickpunkt der Palmölindustrie. Fast die Hälfte Amazoniens ist für den Anbau von Ölpalmen geeignet, womit Brasilien über die größten Landflächen für das Geschäft mit Palmöl verfügt. Der brasilianische Senator Flexa Ribeiro drückt es so aus: "Palmöl ist unser grünes Erdöl". Land ist billig in Amazonien, billiger als in Südostasien – das weckt die Begehrlichkeiten der Palmölindustrie. Von 2002 bis 2015 ist die jährliche Palmölproduktion in Brasilien von 120.000 auf 340.000 Tonnen (IndexMundi, 2016) gestiegen. Brasilien steht schon auf Rang zwölf der Palmöl-produzierenden Länder.

Welche Flächen werden zu Ölpalmenplantagen?

Die Anbaufläche für Ölpalmen in Indonesien wurde in den letzten 30 Jahren kontinuierlich vergrößert und zwar von 2.300 Quadratkilometern im Jahr 1981 auf 93.000 Quadratkilometer im Jahr 2016, bei einer jährlichen Wachstumsrate von zuletzt 5 Prozent – Tendenz steigend. Anträge auf die Umwandlung weiterer 200.000 Quadratkilometer sind gestellt: Diese Fläche entspricht in etwa der Fläche der noch unberührten Regenwälder Indonesiens oder fünfmal der Fläche der Schweiz.

Grafik: Anbaufläche für Ölpalmen in Indonesien zwischen 1964 und 2015

Anbaufläche für Ölpalmen in Indonesien zwischen 1961 und 2016: Die Grafik zeigt die Anbaufläche (in Quadratkilometern) für Ölpalmen in Indonesien von 1961 bis 2016. Die Auswertung erfolgte am 27.04.2018 mit Hilfe der Datenbank der FAO (FAOSTAT).

Palmöl auf dem Weltmarkt

Die Verteuerung fossiler Energieträger wie Erdöl, Erdgas führt dazu, dass die Nachfrage nach "billigeren" Energieträgern steigt. Palmöl – das grüne Erdöl. Im Februar 2011 kletterte der Weltmarktpreis für eine Tonne Palmöl mit 1.249 US-Dollar auf den höchsten je notierten Stand. Das grüne Erdöl war damit teurer als Erdöl. Im November 2015 lag der Preis pro Tonne Palmöl bei rund 500 US-Dollar. Die folgende Abbildung zeigt die Entwicklung des Weltmarktpreises für Palmöl von Oktober 1983 bis Januar 2016.

Bild: Weltmarktpreis von Palmöl

Weltmarktpreis von Palmöl: Die Kurve zeigt den Weltmarktpreis in US-Dollar für eine Tonne Palmöl von Oktober 1983 bis Januar 2016 (IndexMundi).

Wer braucht das Palmöl?

Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas ist eng mit dem Palmöl-Boom verknüpft, denn das Land benötigt enorm viele Rohstoffe und viel Energie. Doch auch die westlichen Industrienationen gieren nach Palmöl. Über 90 Prozent des Palmöls sind für den europäischen Markt bestimmt.

Der momentan aufkommende Boom der Agrartreibstoffe ist nicht so ökologisch, wie die Vorsilbe "Bio" suggeriert. Die EU-Umweltminister haben Anfang März 2007 beschlossen, den Anteil der Agrarkraftstoffe in Benzin und Diesel bis zum Jahr 2020 auf zehn Prozent zu erhöhen. Doch unsere heimischen Anbauflächen reichen nicht aus, um diese zehn Prozent Agrarkraftstoffe allein aus Rapsöl herzustellen.

Ölpalmenplantage

Ölpalmenplantage: Hier entsteht eine Ölpalmenplantage in Kalimantan auf Borneo (Indonesien). Im Vordergrund sind die in Reih' und Glied eingepflanzten Setzlinge der Ölpalmen zu sehen, im Hintergrund steht noch Regenwald (© 2006, Dr. Willie Smits ).

Deswegen wird Palmöl aus Südost-Asien verwendet. Und für die Ölpalmen müssen riesige Flächen tropischen Regenwalds in Indonesien und Malaysia gerodet werden. Agrardiesel – eine umweltfreundliche und kostengünstige Alternative? Sicherlich nicht. Europa ist durch die Agrardiesel-Förderung zum größten Importeur für Palmöl geworden.

Dieser Öko-Aktivismus ist nicht sinnvoll. Denn ein Hektar Regenwald speichert etwa 300 Tonnen Kohlenstoff, ein Hektar Palmölplantage weniger als 40 Tonnen. Der Wald nützt dem Klima weitaus mehr. Dennoch wird immer noch Regenwald gerodet, um Palmen für die Agrardieselproduktion anzupflanzen. Hinzu kommt, dass der Palmölschrot (die Schalen der Ölpalmenfrüchte) in den europäischen Massentierhaltungen landet, wo er als Ersatz für das mittlerweile verbotene Tiermehl verwendet wird.

So sieht eine Ölpalmen-Plantage im Süden Borneos (Indonesien) aus. Gut sind im unteren Bildteil die einzelnen Ölpalmen zu sehen, darüber befindet sich eine Ölmühle. Sie können mit +/- oben links im Bild aus dem Bild herauszoomen, das verdeutlicht die irrsinnige Größe dieser Plantage.

Orang-Utans

Die meisten Orang-Utans in Indonesien werden auf Ölpalmen-Plantagen abgeschossen, gefangen oder verstümmelt. Auf Ölpalmen-Plantagen? Ja, denn weil ihr natürlicher Lebensraum abgeholzt wird, sind sie gezwungen bei der Suche nach Nahrung auf die Plantagen auszuweichen. Dort sind die friedlichen "Waldmenschen" leichte Beute für Jäger und Wilderer.

Und die Menschen in Indonesien?

Während des groß angelegten indonesischen Umsiedlungsprogramms (transmigrasi) wurden die Menschen von benachbarten Inseln nach Sumatra, dem Lebensraum von Tigern, Orang-Utans und Elefanten, umgesiedelt. Dort verdienen sie sich jetzt ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner auf den Ölpalmen-Plantagen. Der Palmölboom kommt bei den Menschen in Indonesien nicht an.

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