Faszination Regenwald

Bild Zerstörung

Orangen statt Regenwald

Orangensaft ist auf dem Weg das beliebteste Fruchtsaftgetränk der Deutschen zu werden und damit dem Apfelsaft den Rang abzulaufen. Die EU ist mit fast 650.000 Tonnen der größte Importmarkt für Orangensaftkonzentrat, angeführt von der Bundesrepublik. Um Transportkosten zu sparen gelangen allerdings keine frischen Orangen zu uns sondern Orangesaftkonzentrat. Über 80 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Orangensaftkonzentrats stammt aus dem brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo, einem ehemals von kleinbäuerlicher Landwirtschaft geprägten Bundesstaat.

Orangensaftkonzentrat

Um aus Orangensaftkonzentrat einen Liter Orangensaft herzustellen benötigt man 22 Liter Wasser und 0,4 Liter Kraftstoff.

Heute bestimmen aber nicht mehr Gemüse- und Kaffeebauern das Bild in Sao Paulo sondern Großfarmen für den exportorientierten Anbau von Orangen. Diese Monokulturen nehmen 50 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ein und bedecken eine Fläche von über 50.000 km². Brasilien hat im Jahr 2002 mit 18,4 Millionen Tonnen so viele Orangen produziert wie kein anderer Staat.

Der Anbau von Zitrusfrüchten ist, neben dem ebenfalls sehr intensiven Kaffeeanbau in dieser Region, maßgeblich für den Verlust der brasilianischen Küstenregenwälder verantwortlich. Nur noch ein Prozent (!) dieser einmaligen Wälder ist heute erhalten.

Auch beim Geschäft mit den Orangen hat die arme brasilianische Bevölkerung das Nachsehen. Denn: Wie viel bekommt ein brasilianischer Orangenpflücker von dem Preis, den wir im Supermarkt für eine Flasche Orangensaft bezahlen?

Gehen wir von einem Ladenpreis in Höhe von einem Euro für einen Liter Orangensaft aus, dann bleiben den Arbeitern auf den brasilianischen Großfarmen umgerechnet gerade einmal 0,25 Cent. Das sind 0,25 Prozent vom Verkaufspreis!

Doch diese Rechnung beinhaltet noch nicht die Ausbeutung der Arbeiter. Nur wer es in Akkordarbeit schafft zwei Tonnen (!) Orangen zu pflücken, in Kisten zu packen und zur Verladestelle zu schaffen, erhält den Tageslohn von etwa zehn Euro (dabei sind die Lebenshaltungskosten in Brasilien ähnlich wie die bei uns in Deutschland.) Da diese Leistungen aber meist nicht zu schaffen sind erhalten die Arbeiter entsprechend weniger.

Dieses System der Ausbeutung funktioniert nur wegen des landwirtschaftlichen Strukturwandels in den letzten zehn Jahren, der zwölf Millionen Brasilianer zu Landlosen machte und die Menschen zwingt unter den schlechtesten Bedingungen zu arbeiten.

Orangensaft wäre in Deutschland gehörig teurer, würden die Arbeiter, die in Brasilien die Orangen pflücken, adäquat entlohnt werden. Daran sollten wir denken, wenn wir nächstes Mal im Supermarkt vor dem Saftregal stehen!

(Quelle: Werkstatt Materialien: Das erste Ma(h)l von Jürgen Wolters und Tammy Chang)

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