Faszination Regenwald

Bild Zerstörung

Ungerechte Landverteilung

Menschen, die schon seit Jahrhunderten in den tropischen Regenwäldern leben, haben für den Eigenbedarf schon immer kleinflächig Regenwald gerodet. Diese kleinflächige Regenwaldnutzung im Wanderfeldbau (shifting cultivation) blieb jedoch ohne nennenswerte Folgen für die Regenwälder. Die Menschen waren mit der Beschaffenheit der nährstoffarmen tropischen Böden vertraut und konnten diese erfolgreich bewirtschaften.

Die Situation heute

Heute geht die Zerstörung der tropischen Regenwälder zu etwa 23 Prozent auf kleinbäuerliche Siedler zurück, deren Zahl weltweit auf 300 bis 500 Millionen geschätzt wird. Weshalb dringen die Menschen immer tiefer in die Regenwälder vor? Die Gründe für diese Wanderungen sind im Wesentlichen politischer und ökonomischer Natur.

Zerstörung in Französisch-Guayana

"Der flambierte Planet", Brandrodung in Französisch-Guayana, 2004: Brandrodung im tropischen Regenwald: Landparzellen werden von Kleinbauern abgebrannt um darauf Landwirtschaft zu betreiben. Im Vordergrund ist die typische, nährstoffarme rote Erde zu sehen. Nur wenige Jahre erlauben die Nährstoffe aus der Asche der abgebrannten Bäume den Kleinbauern Ackerbau zu betreiben.

Durch eine sehr ungerechte Landverteilung werden in tropischen Ländern viele Millionen Menschen in die Regenwälder gedrängt, beispielsweise in Brasilien und Indonesien. Im Süden Brasiliens wird Soja in riesigen Monokulturen angebaut. Aber nicht um die eigene Bevölkerung zu ernähren - nein!

Das Soja geht fast ausschließlich in den Export, und hier vor allem in die Ställe der europäischen Massentierhaltung, wo der Bedarf an dem eiweißreichen Viehfutter seit BSE rapide wächst. Weil auf den hoch technisierten Soja-Farmen kaum Arbeitskräfte gebraucht werden, stieg im bevölkerungsreichen Süden die Arbeitslosigkeit, gefolgt von Armut und Hunger.

Der brasilianischen Regierung fehlte der politische Mut für grundlegende Agrarreformen. Unter dem Motto "Land ohne Menschen für Menschen ohne Land" wurde in den vergangenen Jahren stattdessen die Besiedlung des riesigen und kaum bevölkerten Amazonasbeckens in Angriff genommen. Leider hat sich daran bis heute nichts geändert.

Denn in Brasilien wurde im Juni 2009 über ein Gesetz beraten, das Landbesetzern die Besitzrechte für Staatsland sichert, vorausgesetzt die Landbesetzer trafen bei der Landnahme auf keinen Widerstand. Das Gesetz erlaubt es den Menschen, bis zu 40 Prozent des besetzten Landes abzubrennen oder abzuholzen.

Motor der Entwaldung

Mit der großflächigen Besiedlung der Regenwälder begann ein zerstörerischer Kreislauf, der bis heute anhält. Arme und landlose Menschen ziehen in die Wälder und roden ("Brandrodungen sind Traktor und Dünger des kleinen Mannes") zur Versorgung ihrer Familien Flächen zwischen ein und fünf Hektar. Wegen der meist sehr kargen und schlechten Böden, können die gerodeten Flächen nur für wenige Jahre bewirtschaftet werden.

Ohne Perspektive und bedrängt von Großgrundbesitzern geben viele Familien resigniert ihr Land auf. Kleinbauern als Speerspitze der Agroindustrie!

Die gerodeten Flächen werden jetzt nämlich günstig von Großgrundbesitzern übernommen, die Kleinbauern ziehen mit ihren Familien weiter in die Wälder hinein oder arbeiten als Tagelöhner auf den Farmen der Großgrundbesitzer ... Landverteilungskonflikte als „Motor der Entwaldung“.

Bürgerkriege

Bürgerkriege in politisch instabilen Regionen sind in West- und Zentralafrika (Elfenbeinküste, Ruanda, Uganda, Demokratische Republik Kongo) eine der Hauptursachen für die Zerstörung der tropischen Regenwälder.

Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten ethnischen Gruppen zwingen die Menschen zur Flucht in die wenig besiedelten Regenwald-Regionen. Dort versuchen sie dann - als Kleinbauern - ihren Lebensunterhalt durch roden der Wälder und Bewirtschaftung kleiner Landparzellen zu bestreiten.

Überbevölkerung

Sie ist ein weiterer Grund, weswegen Menschen ihre Heimat verlassen und tiefer in die tropischen Regenwälder vordringen. Java, mit der indonesischen Hauptstadt Jakarta, ist mit 870 Einwohnern pro Quadratkilometer extrem dicht besiedelt.

Die indonesische Regierung hat darauf reagiert und ab 1982 ein Programm zur Massenumsiedlung (transmigrasi) aufgelegt. Fünf Millionen Menschen wurden bis 1989 auf umliegende, weniger dicht bewohnte Inseln umgesiedelt. Fünf Millionen Menschen, die jetzt zusätzlich versuchen, Landwirtschaft im empfindlichen Ökosystem Regenwald zu betreiben!

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