Faszination Regenwald

Bild Zerstörung

Holzeinschlag

Die Vernichtung der Regenwälder folgt einem zerstörerischen Zyklus, der lautet: erst Holz, dann Vieh und zuletzt Soja. Holzfäller schlagen die wertvollen tropischen Hölzer und öffnen den Wald. Viehzüchter folgen den Holzfällern und verbrennen die restlichen, weniger wertvollen Bäume. Weil die Viehzucht nicht profitabel ist, folgen auf die Viehzüchter die Sojapflanzer und pflanzen Soja. Das bringt mehr Profit. Und wieso schadet es den Wäldern wenn die großen Baumstämme entnommen werden? Um ein bis zwei Stämme aus einem Hektar entnehmen zu können, werden 70 Prozent der restlichen Vegetation durch schwere Raupen und Rückwege schwer geschädigt.

Die Holzwirtschaft öffnet die intakten Regenwälder um die Holzstämme abtransportieren zu können. Dazu werden Straßen in die Wälder geschlagen. Der Straßenbau hat gewissermaßen Schrittmacher- oder Öffnungsfunktion obwohl er flächenmäßig zunächst eher unbedeutend ist. Auf den Straßen strömen illegale Siedler in die Wälder und zerstören das, was die Holzfäller übrig gelassen haben. Einhergehend nimmt in all diesen Wäldern die Wilderei (Bushmeat) stark zu.

Was ist eigentlich Tropenholz?

Unter Tropenholz werden Hölzer zusammengefasst, die aus den tropischen und subtropischen Wäldern in Mittel- und Südamerika, Asien und Afrika stammen. Zu den bekanntesten Tropenhölzern zählen Teak, Mahagoni, Bangkirai und Meranti.

Was ist so edel am Tropenholz?

Da die Bäume in den Tropen beim Wachsen zum Licht keine Äste ausbilden, sind ihre Stämme extrem gleichmäßig gewachsen und gwissermaßen "astrein". Außerdem müssen sich die Bäume im feuchten Klima des Regenwalds gegen unzählige Pilze und Parasiten wehren. Die Bäume lagern deshalb sehr viele Abwehrstoffe in ihr Holz ein. Diese Abwehrstoffe schützen das Holz und geben ihm die die entsprechende Farbe und Härte. Dadurch werden die tropischen Hölzer für uns so interessant und gewinnbringend.

Wozu verwenden wir Tropenhölzer?

Für Parkettböden, Gartenmöbel, Bauholz, Sperrholzplatten, Fenster aus Mahagoni, Sapelli oder Meranti und Türen aus Limba, Lärmschutzwände an Autobahnen, Betonverschalungen im Straßenbau (oft nur zum Einmalgebrauch) etc. Auch für 40 Milliarden Einmal-Essstäbchen werden die Urwälder geplündert. Und nicht zu vergessen: Särge. Etwa eine Million Särge aus Tropenholz werden jährlich in Deutschland vergraben oder verbrannt.

Warum ist Tropenholz so billig?

Müssten tropische Hölzer aufgrund der weiten Transportwege nicht viel teurer sein als heimisches Holz? Sie müssten es, aber sie sind es nicht. Die Edelhölzer werden geschlagen, doch eine teure Wiederaufforstung ersparen sich die Hölzfäller und -firmen. Ein Großteil der wundervollen Regenwälder wird zum Nulltarif ausgeraubt. Da die Schäden an der Natur nicht bezahlt werden müssen, sind tropische Hölzer billiger als heimische Hölzer, obwohl sie um die halbe Erde zu uns transportiert werden.

An der Rodung der Regenwälder lässt sich mehrfach Geld verdienen. Wie funktioniert das? Zunächst wird am wertvollen Tropenholz verdient, das sich noch immer gut verkaufen lässt. Deutschland hat im Jahr 2006 rund 420.000 Kubikmeter tropisches Holz importiert. Dann wird mit den weniger teuren Tropenhölzern Geld verdient, die an die Holz-, Papier- und Zellstoffindustrien geliefert werden. Dort werden sie häufig zu Sperrholz und Papier verarbeitet. Zuletzt wird Geld mit dem gerodeten Land verdient. Für die Wiederaufforstung von gerodetem Land, die von Forstgesetzen in vielen Ländern vorgeschrieben ist, kann Geld aus sogenannten Wiederaufforstungsfonds beantragt werden. Und wieder klingelt die Kasse.

Bild: Illegal geschlagenes Tropenholz

Illegaler Holzeinschlag in Indonesien (2006). Die geschlagenen Hölzer werden noch im Wald für den europäischen Markt zurecht geschnitten.

EU verbietet illegales Tropenholz

Die Europäische Union (EU) hat im Oktober 2010 die sogenannte EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) erlassen. Im Bürokratendeutsch der EU heißt sie offiziell "Verordnung (EU) Nr. 995/2010 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Oktober 2010 über die Verpflichtungen von Marktteilnehmern, die Holz und Holzerzeugnisse in Verkehr bringen". Die EU-Holzhandelsverordnung gilt ab dem 3. März 2013.

Gemäß der EU-Holzhandelsverordnung ist es verboten Holz und Holzerzeugnisse aus illegalem Einschlag in die EU einzuführen und zu verkaufen. Wer Holz und Holzerzeugnisse erstmals in die EU einführen und verkaufen will, muss deren legale Herkunft nachweisen. Dazu müssen Informationen zur Art und Herkunft des Holzes und zum Lieferanten vorgelegt werden. Ebenso muss eine Abschätzung abgegeben werden, wie hoch das Risiko ist, dass das Holz aus illegalem Einschlag stammen könnte.

So weit die Theorie, in der Praxis zeigt sich drei Jahre nach Inkrafttreten der EU-Holzhandelsverordnung im Jahr 2016 ein anderes Bild. In ihrer ersten Prüfung vom Februar 2016 bemängelt die Europäische Kommission die "langsame" und "nicht ausreichende" Durchsetzung der Verordnung durch die EU-Mitgliedstaaten. Es gibt bisher keine ernsthaften Strafen und keine wirksame Strafverfolgung für Firmen, die illegal geschlagenes Tropenholz nach Europa importieren; die Verordnung wird regelrecht ignoriert. Dabei wird der EU-Markt mit illegal geschlagenem Tropenholz überschwemmt. Im Jahr 2014 wurden illegal geschlagenes Holz und Holzprodukte im Wert von zwei Milliarden Euro in die EU importiert. Die Wege, die das illegal geschlagene Tropenholz dabei zurücklegt, sind verworren und verschleiern die Herkunft des Holzes. Das Holz wird in den Herkunftsländern illegal geschlagen, nach China transportiert, dort zu Möbeln, Sperrholz, Bodenbelägen oder ähnlichem verarbeitet und dann in die EU importiert. Die Lieferkette lässt sich dadurch nicht mehr nachverfolgen.

nach oben nach oben