Faszination Regenwald

Bild Zerstörung

Wie viel Regenwald geht verloren?

13,4 Millionen Quadratkilometer der Erde sind von tropischen Regenwäldern bedeckt, und es scheint, als würde deren rasante Vernichtung in den letzten Jahren etwas gebremst. Vorsichtig geschätzt, werden heute etwa 60.000 Quadratkilometer tropische Regenwälder jährlich zerstört. Im brasilianischen Teil Amazoniens schrumpften die tropischen Regenwälder bis ins Jahr 2005 rekordverdächtig, seither gehen die jährlichen Verluste zurück.

Doch kann von Entspannung noch keine Rede sein, weiterhin werden riesige Flächen abgeholzt. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt in ihrem Bericht (Global Forest Resources Assessment, FRA 2010), dass von 1990 bis 2000 weltweit jährlich 160.000 Quadratkilometer Wald (also nicht nur tropischer Regenwald) vernichtet wurden. In den folgenden zehn Jahren von 2000 bis 2010 ging dieser Wert zurück auf 130.000 Quadratkilometer. Davon entfielen durchschnittlich 40.000 Quadratkilometer auf Südamerika und 34.000 Quadratkilometer auf Afrika.

Tropische Regenwälder

In den drei großen Regenwaldregionen der Erde – Amazonasbecken, Kongobecken und Südost-Asien – gingen in den Jahren 2000 bis 2010 jährlich 54.000 Quadratkilometer tropische Regenwälder verloren (The State of Forests in the Amazon Basin, Congo Basin and Southeast Asia, 2011). In der Dekade zuvor, also von 1990 bis 2000, waren es noch 71.000 Quadratkilometer jährlich. Die Verluste sind also leicht zurückgegangen. Weil es außerhalb der drei großen Regenwaldregionen auch noch tropische Regenwälder gibt (zum Beispiel Mittelamerika, Madagaskar etc.), liegen die tatsächlichen jährlichen Regenwaldverluste wahrscheinlich etwas höher.

Bild: jährliche Regenwaldverluste zwischen 2000 und 2010

Jährliche Regenwaldverluste in den drei großen Regenwaldregionen der Erde zwischen 2000 und 2010 (in Quadratkilometern): In den Jahren 2000 bis 2010 gingen im Amazonasbecken jährlich 36.000 Quadratkilometer tropische Regenwälder verloren, im Kongobecken waren es nur 7.000 Quadratkilometer und in Südost-Asien 10.000 Quadratkilometer.

Regenwaldverluste in Amazonien

Die tropischen Regenwälder im Einzugsgebiet des Amazonas (Amazonien) erstrecken sich auf einer Fläche von 8 Millionen Quadratkilometern. Mit 5,2 Millionen Quadratkilometern entfallen etwa 65 Prozent der Fläche Amazoniens auf Brasilien, die restlichen 35 Prozent verteilen sich auf sieben weitere südamerikanische Länder. Im brasilianischen Teil Amazoniens gibt es noch 4,2 Millionen Quadratkilometer weitgehend unberührte Primärwälder. Die FAO hat berechnet, dass in ganz Amazonien im Zeitraum von 1990 bis 2010 insgesamt 600.000 Quadratkilometer tropische Regenwälder vernichtet wurden. Zum Vergleich: Deutschland hat eine Fläche von 357.000 Quadratkilometern.

Satellitenbild: Vergleich Regenwaldzerstörung in Mato Gross 2002 und 2006

Regenwaldzerstörung in Brasilien zwischen 2002 und 2006: Satellitenaufnahmen von Mato Grosso in Amazonien. Der Amazonas ist nicht mehr auf dem Bild zu sehen, er liegt außerhalb des Bilds am oberen Rand. Bei dem grünen, "unberührten" Bereich, der sich von der Bildmitte nach unten zieht, handelt es sich um den Xingu-Nationalpark. Das Bild links entstand am 17. Juni 2002, das Bild rechts vier Jahre später am 28. Juni 2006. Der Vergleich zeigt, wie viel Regenwald im Bereich um den Xingu-Nationalpark in vier Jahren gerodet wurde. Deutlich ist zu sehen, wie sich die hellbraunen gerodeten Flächen in den Regenwald fressen; besonders deutlich zu sehen an der in Richtung Nordwesten laufenden Straße (BR 163) im oberen Bildbereich, im Bereich des Xingu-Nationalparks und am rechten Bildrand. © 2002/2006; NASA (http://earthobservatory.nasa.gov)

Brasilien

Die Auswertung von Satellitendaten durch das Brasilianische Nationalinstitut für Weltraumforschung (INPE) hat ergeben, dass von 2002 bis 2016 allein im brasilianischen Teil Amazoniens 180.000 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt wurden. Das meiste davon in den Soja-Bundesstaaten Mato Grosso, Para und Rondonia, nämlich 148.000 Quadratkilometer.

Der Höhepunkt der Zerstörung wurde in den Jahren 2003 und 2004 erreicht. Allein in diesen beiden Jahren wurden im brasilianischen Teil Amazoniens 52.000 Quadratkilometer Regenwald zerstört. Die Zahlen des INPE zeigen, dass die Zerstörung der Regenwälder am Amazonas in den zehn Jahren bis 2014 deutlich zurück gegangen ist. Bedauerlicherweise hat die Zerstörung in den Jahren danach wieder zugenommen, zuletzt auf knapp 6.600 Quadratkilometer im Jahr 2017.

Grafik: Regenwaldzerstörung in Brasilien zwischen 2002 und 2017

Regenwaldzerstörung in Brasilien von 2002 bis 2017: Die Grafik zeigt, welche Flächen (in Quadratkilometern) zwischen 2002 und 2017 jährlich im brasilianischen Teil Amazoniens abgeholzt wurden. Die Auswertung erfolgte am 27.04.2018 anhand von Satellitendaten des brasilianischen Nationalinstituts für Weltraumforschung (INPE).

Daten von Umweltschutzorganisationen

Soweit die offiziellen Zahlen. Ähnliche Zahlen werden von nichtstaatlichen Organisationen, auch Nichtregierungsorganisationen (NGO) genannt, präsentiert. Imazon (Amazon Institute of People and the Environment) ist eine brasilianische NGO, die monatlich Berichte zur Regenwaldvernichtung in Brasilien veröffentlicht. Imazon hat mit Hilfe von Satellitendaten berechnet, dass im Zeitraum von 2000 bis 2010 etwa 170.000 Quadratkilometer Regenwald im brasilianischen Teil Amazoniens vernichtet wurden. Der Spitzenwert wurde im Jahr 2004 mit 24.500 Quadratkilometern erreicht, der niedrigste Wert wurde für das Jahr 2010 mit 5.500 Quadratkilometern ermittelt.

Satellitenbild Regenwaldzerstörung

Regenwaldzerstörung in Brasilien (2004): Satellitenaufnahme von Para in Brasilien (oben links ist noch der Amazonas zu sehen). Der Streifen, der sich von oben rechts nach unten durch das Bild zieht ist eine Straße. Mit dem Bau von Straßen beginnt die Zerstörung der Regenwälder, sie "öffnen" den Wald. Die roten Punkte zeigen vom Menschen versursachte Feuer - hier brennt der Regenwald. Das Helle sind Rauchfahnen und nicht etwa Wolken.© NASA (http://www.visibleearth.nasa.gov/).

Verlust von Primärwäldern

Im Zeitraum von 2000 bis 2010 ist die Fläche der Primärwälder, also der weitgehend unberührten Wälder, weltweit jährlich um 42.000 Quadratkilometer zurückgegangen. Im Jahrzehnt zuvor (1990 bis 2000) waren es noch 47.000 Quadratkilometer. Betroffen von diesen enormen Verlusten waren hauptsächlich tropische Regenwälder mit ihrer einzigartigen Artenvielfalt.

Weltweit 35 Fußballfelder alle zwei Minuten

Der Verlust von weltweit 60.000 Quadratkilometern tropischer Regenwälder pro Jahr entspricht einer Fläche von 35 Fußballfeldern (100 x 65 Meter), die alle zwei Minuten verloren geht. In der Zeit, in der wir die Wörter "einundzwanzig, zweiundzwanzig" aussprechen, ist es über die Hälfte eines Fußballfelds.

Animation Flächenverluste

Flächenverluste (Animation) : Alle zwei Minuten geht eine Fläche von 35 Fußballfeldern (je 100 x 65 Meter) tropischen Regenwaldes unwiederbringlich verloren. In der Zeit, in der wir das "einunWort "einundzwanzig" aussprechen, ist es über die Hälfte eines Fußballfelds. Die Animation dauert genau eine Minute, alle 1,7 Sekunden kommt ein Fußballfeld neu hinzu - stellvertretend für 4.000 Quadratmeter abgeholzten Regenwalds.

Geschützte Flächen

In Mitteleuropa steht ein Prozent der Landfläche unter Naturschutz. Dazu zählen nicht nur Waldökosysteme sondern zum Beispiel auch Trocken- und Küstengebiete. Anders als in den Industrienationen sind in den Tropen bereits zwischen drei und fünf Prozent der Landfläche unter Schutz gestellt. Seit dem Jahr 1990 hat sich die Fläche der unter Schutz gestellten Wälder um 94.000 Quadratkilometer erhöht, weltweit sind heute 13 Prozent der Wälder gesetzlich geschützt.

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