Faszination Regenwald

Bild Zerstörung

Das rasante Sterben der Arten

Obwohl die rasante Vernichtung der tropischen Regenwälder in den letzten Jahren zurückgegangen ist, werden weiterhin große Flächen vernichtet. Und mit den tropischen Regenwäldern verschwinden seine Arten. Viele der Erkenntnisse zum Artensterben gehen zurück auf den amerikanischen Zoologen Edward O. Wilson. Er schätzt, dass Tag für Tag 70 Arten aussterben, womit der Mensch das Artensterben um das 100-fache beschleunigt. Neun Prozent der Baumarten sind von der Ausrottung bedroht.

Schätzungen von anderen Wissenschaftlern sind weitaus pessimistischer und zeichnen ein noch düsteres Szenario, wie zum Beispiel der Biologe Terry Erwin. Legt man Erwins Daten (für Arthropoden) zugrunde und geht davon aus, dass jährlich 300 Baumarten verloren gehen, dann würde dies einen Verlust von 180.000 Arthropodenarten pro Jahr bedeuten. Das wären 500 Arten am Tag.

Das "National Science Board" der USA schätzt, dass in 20 Jahren ein Viertel aller Arten ausgestorben sein wird. Vergleichsweise bescheiden nehmen sich die natürlichen Artenverluste aus: Ohne Einfluss des Menschen gehen auf natürlichem Weg schätzungsweise 3 bis 25 Arten pro Jahr verloren.

Die Rote Liste

Im Jahr 2007 sind weltweit 16.306 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, fast zweihundert mehr als im Jahr zuvor. Gefährdet sind über 41.000 Tier- und Pflanzenarten, wie die Weltnaturschutzunion IUCN in ihrer Roten Liste (2007) feststellt. Jedes vierte Säugetier, jeder achte Vogel und fast 70 Prozent aller Pflanzenarten sind gefährdet.

Menschenaffen

Zu den vom Aussterben bedrohten Arten gehört auch der Westliche Gorilla (Gorilla gorilla). Die Population der in Gabun und Kamerun beheimateten Tiere hat sich allein bei den Westlichen Flachlandgorillas in den vergangenen 20 bis 25 Jahren um etwa 60 Prozent verkleinert. Die Art wurde deshalb von „gefährdet“ auf „äußerst gefährdet“ hochgestuft. Schätzungen gehen von nur noch 4.000 bis 5.000 Tieren in freier Wildbahn aus, in den 1990er-Jahren waren es noch um die 17.000.

Bedroht werden die Tiere unter anderem von Wilderern. Der Verkauf des Fleisches bringt ihnen viel Geld ein. Eine weitere Gefahr stellt das tödliche Ebola-Virus dar. Ein Drittel der in Schutzgebieten lebenden Westlichen Flachlandgorillas sei in den vergangenen 15 Jahren durch das Virus getötet worden.

Neben den Gorillas stehen auch Orang-Utans auf der Liste. Durch Abholzungen nimmt ihr Lebensraum immer weiter ab. Auch einige Geierarten wurden in die Aufstellung der gefährdeten Tiere übernommen. Die Vögel sind der IUCN zufolge besonders in Asien und Afrika in ihrer Existenz bedroht.

Reptilien

Zudem stehen 723 Schildkröten- und Schlangenarten sowie weitere Reptilien aus Nordamerika und Mexiko in ihrer Roten Liste. Nur für eine einzige Tierart gab es leichte Entwarnung: Der Mauritiussittich gilt nur noch als gefährdet, aber nicht mehr als vom Aussterben bedroht.

Es gäbe viel zu tun für Biologen und Tropenökologen: Entdeckung, Einteilung und Untersuchung neuer Arten. Doch viele Arten werden von der Bildfläche dieses Planeten verschwunden sein, ohne dass die Menschheit jemals Kenntnis von ihrer Existenz gehabt haben wird!

IPBES - der Weltrat für biologische Vielfalt

IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) ist ein zwischenstaatliches Gremium zur wissenschaftlichen Politikberatung für das Thema biologische Vielfalt - vergleichbar mit dem Weltklimarat IPCC. Dieses Biodiversitätsgremium soll politischen Entscheidungsträgern zuverlässig unabhängige, glaubwürdige Informationen über den Zustand und die Entwicklung der Biodiversität zur Verfügung stellen, damit diese gut informierte Entscheidungen zu ihrem Schutz treffen können (Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit).

Formell gegründet wurde der IPBES während der zweiten Plenarsitzung im April 2012 in Panama. Über 90 Staaten waren an der Gründung beteiligt. Die erste offizielle IPBES-Plenarsitzung fand im Januar 2013 in Bonn statt. In Bonn befindet sich gleichzeitig das IPBES-Sekretariat.

Was den Schutz der einheimischen Arten betrifft, gibt Deutschland ein ganz schlechtes Vorbild ab: 36 Prozent der Tierarten, 27 Prozent der Pflanzenarten und über 70 Prozent der Lebensräume in Wäldern, Wiesen und Auen in Deutschland sind bedroht. So steht es im Bericht „Daten zur Natur 2008“, den die Bundesregierung im April 2008 veröffentlicht hat, einen Monat vor der Bonner Artenschutzkonferenz. Die Zahlen sprechen für sich und schwächen die Glaubwürdigkeit und die Position Deutschlands in internationalen Verhandlungen. Immerhin betrachtete der ehemalige Bundesumweltminister Gabriel die „Erhaltung der biologischen Vielfalt als eine ethisch-moralische Verpflichtung.“

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