Faszination Regenwald

Bild Vielfalt im Regenwald

Insektenvielfalt in tropischen Regenwäldern

Am eindrucksvollsten lässt sich der außerordentliche biologische Reichtum tropischer Regenwälder am Beispiel der Gruppe der Insekten zeigen. In tropischen Regenwäldern leben mehr Insektenarten als irgendwo sonst auf der Welt, nämlich etwa 80 Prozent. Mit 40 Prozent sind die Käfer die artenreichste Ordnung der Insekten. Gefolgt von den Hautflüglern (Bienen, Wespen etc.) mit 30 Prozent. Dann kommen die Ordnungen der Zweiflügler (zum Beispiel Mücken und Fliegen), Wanzen, Rinden- und Staubläuse.

Auf Borneo fanden Wissenschaftler auf 10 Bäumen 24.000 Individuen aus 2.800 Arten von Arthropoden, wovon 739 Arten parasitisch lebenden Wespen gehörten. Interessant war dabei, dass die meisten dieser Wespenarten unter den 24.000 Individuen mit nur einem einzigen Exemplar vertreten waren. Die Klasse der Insekten gehört mit den Spinnentieren, den Krebstieren, den Hundertfüßern und den Tausendfüßern zu den Arthropoden (Gliedertiere).

Artenvielfalt verbunden mit Seltenheit

Eines der Merkmale tropischer Regenwälder ist die große Artenvielfalt. Allerdings sind die meisten Arten in den Tropen nach europäischen Maßstäben eher selten. Und in dieser Seltenheit liegt die Verletzlichkeit der tropischen Artenfülle.

Was bedeutet das? Viele Arten sind in ihrer Ausbreitung auf kleine Gebiete (beispielsweise wenige Bäume einer Region) beschränkt. Wird der Regenwald in so einer Region zerstört, sterben mit ihm auch die darin lebenden Tiere und Pflanzen. Kam eine Art nur in dieser Region vor, ist sie für immer ausgestorben.

Käfervielfalt

„Gott scheint eine übertriebene Vorliebe für Käfer zu haben“, soll der 1964 verstorbene Evolutionstheoretiker John Haldane geantwortet haben, als er gefragt wurde, welche Rückschlüsse man aus der Schöpfung auf deren Urheber ziehen könne.

Der Wissenschaft sind derzeit rund 350.000 Käferarten bekannt und auch mit Namen benannt. Schätzungen der tatsächlichen Artenvielfalt reichen gar bis zu acht Millionen Käferarten, das heißt, jede vierte Tierart auf der Erde gehörte dann zu den Käfern.

Käfer tragen ihre Flügel unter einer Decke (Deckenflügler, lateinisch Coleoptera). Diese besteht aus den beiden verstärkten Vorderflügeln, die sich schützend über den Hinterleib und die mehrfach zusammengefalteten Hinterflügel legen, welche erst kurz vor dem Abflug ausgepackt werden.

Bei seinen dreijährigen Untersuchungen in den Tieflandregenwäldern Panamas hat Terry Erwin auf 19 Bäumen, die alle zur selben Art (Luehea seemannii) gehörten, 1.200 Käferarten gefunden. Er schätzte, dass etwa 160 dieser Arten nur auf den Bäumen von Luehea seemannii vorkommen.

Der französische Forscher Gérard Tabaquilian entdeckte in den tropischen Regenwäldern von Französisch-Guayana 1.416 Bockkäferarten, von denen 600 der Wissenschaft bis dato unbekannt waren. Es gibt schätzungsweise 100.000 Bockkäferarten auf der ganzen Welt, Säugetierarten gibt es weltweit etwa 3.000. Als erstem Wissenschaftler gelang es dem Franzosen einen Minifunksender auf dem Rückenpanzer eines Riesenbockkäfers zu befestigen. Er konnte damit dessen Wanderungen und Bewegungen im Wald verfolgen.

David & Goliath

Den Größenrekord bei den Käfern hält der Riesenbockkäfer Titanus giganteus aus Amazonien. Einzelne Exemplare sollen eine Körperlänge von bis zu 20 Zentimetern erreicht haben. Unser mitteleuropäischer Hischkäfer Lucanus cervus bleibt kleiner, erreicht aber immerhin eine Körperlänge von etwa 8 Zentimetern. Das kleinste Insekt der Welt kommt vermutlich auch aus der Familie der Käfer, es ist ein nur 0,25 Millimeter langer Federflügler.

Ameisen

Staatenbildende Insekten wie Ameisen und Termiten gelten als die heimlichen Herrscher des Regenwaldes. Die Biomasse von Ameisen in tropischen Regenwäldern übertrifft die der Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien usw. um das Vierfache. Derzeit sind 9.500 Arten bekannt.

Wissenschaftler vermuten, dass etwa 20.000 Arten noch unbekannt sind. John Terborgh fand bei Untersuchungen in den tropischen Regenwäldern des Amazonasbeckens in Peru auf einem einzigen Baum 43 Ameisenarten. Das sind mehr Ameisenarten als auf den gesamten Britischen Inseln vorkommen.

Unter den 2.800 Arten der oben genannten Studie, fanden sich auch 99 Ameisenarten. Allerdings war jede Art mit rund 40 Individuen vertreten. Annähernd jedes zweite Insekt, über das man bei einem Spaziergang durch den tropischen Regenwald stolpert, ist eine Ameise. Kein Wunder, denn auf einem Hektar leben bis zu acht Millionen Ameisen!

Hautflügler

Ameisen gehören wie Bienen und Wespen zu den Hautflüglern (Hymenoptera). Termiten sind nicht mit den Ameisen verwandt, sie stehen verwandtschaftlich näher bei den Schaben (Blattoidea).

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