Faszination Regenwald

Bild Vielfalt im Regenwald

Pflanzenvielfalt in tropischen Regenwäldern

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass das Klima einer der Gründe für die Artenvielfalt in tropischen Regenwäldern ist. Bis heute haben Botaniker etwa 300.000 Pflanzenarten entdeckt, davon kommen zwei Drittel in tropischen Regenwäldern vor. In dem kleinen mittelamerikanischen Land Costa Rica gedeihen 8.000 Pflanzenarten. Das sind ungefähr vier Prozent aller weltweit vorkommenden Pflanzenarten und fünf mal soviele wie im fünf mal größeren Großbritannien. Trotzdem ist die Pflanzenwelt des Amazonas oder die des Kongo weitgehend unerforscht.

Dabei sind die Tropen genau die Zonen, in denen die meisten Pflanzenarten vorkommen. Doch warum ist das so? Warum gibt es in Deutschland nur etwa 2.700 Pflanzenarten, während im Tieflandregenwald von Borneo fast vier Mal so viele beheimatet sind?

Der Bonner Biologe Holger Kreft hat entdeckt: Es ist vor allem das Klima, das die Artenvielfalt auf der Erde steuert. Je mehr Wasser und Wärme ein Ort zu bieten hat, desto mehr Arten können dort existieren. Topographische Faktoren und historische Einflüsse spielen auch eine wichtige Rolle, ihr Einfluss ist aber weniger wichtig (*, siehe Spalte rechts).

Amazonien

In Zentralamazonien wurden Anfang der siebziger Jahre von Hans Klinge und seinen Mitarbeitern auf 2.000 Quadratmetern 100.000 (!) Pflanzen gefunden. Bei 86 Prozent davon handelte es sich um Jungbäume, die nicht höher als 150 Zentimeter waren. Der Rest waren knapp 10.000 Palmen, Bäume und Lianen, die sich auf mehr als 500 verschiedene Arten verteilten.

Bäume

Der Artenreichtum nimmt bei den Bäumen zwischen den mittleren Breitengraden (zum Beispiel Europa und Nordamerika) in Richtung des Äquators außerordentlich zu. Beispielsweise gibt es in Nordwesteuropa nur 40 Baumarten, während es in Venezuela 2.400 Baumarten gibt. Auf nur einem Hektar (100 x 100 Meter) peruanischen Regenwalds wurden 283 Baumarten gefunden. Dabei wuchsen auf diesem Hektar nur 600 einzelne Bäume, das heißt, fast jeder zweite Baum gehörte zu einer anderen Art. Die Zahl der Baumarten in tropischen Regenwäldern wird auf bis zu 50.000 geschätzt, von denen viele noch unentdeckt sind.

Die unzähligen Baumarten wissenschaftlich zu erfassen, ist ein schier unmögliches Vorhaben. Man muss sehr erfahren sein, um das oftmals tupfengleich aussehende Laub unterschiedlicher Arten voneinander unterscheiden zu können. Nur wenige Spezialisten auf der ganzen Welt sind dazu in der Lage. Stehen hingegen Blüten oder Früchte zur Verfügung, kann die Art einfacher bestimmt werden. Auch die Altersbestimmung von Bäumen gestaltet sich in tropischen Regenwäldern nicht so einfach: Wegen fehlender "richtiger" Jahreszeiten sind die Jahresringe bei tropischen Hölzern nur schwach oder gar nicht ausgebildet.

Welcher Baum ist das?

Selbst wenn wir im Wald Früchte oder Blüten auf dem Waldboden gefunden haben, konnten wir vom Boden aus oft nicht bestimmen, von welchem Baum diese heruntergefallen sind, zu hoch und zu dicht ist das Kronendach.

Moose und Farne

Bei den bekannten Moos- und Farnarten wird das Missverhältnis noch deutlicher: Hier finden sich zwischen 75 und 90 Prozent aller bekannten Arten in den Tropen wieder.

nach oben nach oben