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Bild Nutzpflanzen

Die Vanille

Der Name Vanille kommt aus dem Spanischen (vanilla) und leitet sich aus dem Wort vaina für Hülse oder Schote ab. Die Vanille ist eine starkwüchsige Schlingpflanze mit Kletterwurzeln und grünen fleischigen Sprossen. Als Spross wird ein Pflanzentrieb bezeichnet, der aus Sprossachse (Stängel) und Blättern besteht. Die Blätter haben keinen Stiel und sind sehr dick.

Blüten

Klein, unscheinbar, grün-weiß und duftend: Das sind die Blüten der Vanille (Orchideenblüten). Sie sind nur wenige Stunden vormittags geöffnet. In dieser Zeit muss das Pollenpaket (Pollinium = Gesamtheit der Pollen) bestäubt werden. Ohne Bestäubung fällt die Blüte ab. Der natürliche Bestäuber der echten Vanille ist ein spezialisiertes, ursprünglich aus Mexiko stammendes Insekt.

Echte Vanille

Die echte Vanille (wissenschaftlicher lateinischer Name: Vanilla planifolia) gehört zur Familie der Orchideen (Orchidaceae).

Früchte

Die Vanille hat 15 bis 20 Zentimeter lange Kapselfrüchte (Schoten) in deren Inneren sich Zehntausende von Samen finden. Diese sind winzig klein und werden vom Wind verbreitet.

Herkunft

Ursprünglich Mexiko und Zentralamerika. Heutige Hauptanbaugebiete von Vanille sind die in den Tropen gelegenen Inseln Madagaskar, die Komoren und die Insel Réunion. Im Jahr 1967 haben sich diese Länder zur "Alliance de la Vanille" zusammengeschlossen, die heute ca. 80 Prozent des Weltmarkts abdeckt. Ihr Handelsprodukt wird als Bourbon-Vanille bezeichnet, benannt nach dem früheren Namen der Insel Réunion.

Geschichte

Vanille war bereits den Azteken bekannt, die sie zum Würzen von Speisen und Getränken verwendeten. Im 16. Jahrhundert wurde die Vanille von den spanischen Eroberern nach Europa gebracht. Dort erlangte sie schon nach 100 Jahren eine solche Beliebtheit, dass sie für viel Geld in großen Mengen eingeführt wurde.

Besonderes

Vanille ist die einzige Orchideenart, die zur menschlichen Ernährung beiträgt. Das spezielle Aroma der Vanille wird neben Vanillin und Glucose noch von 35 weiteren Substanzen gebildet. Das Aroma wird erst nach einem sehr arbeitsintensiven Aufbereitungsprozess erlangt, bei dem durch Trocknen und Schwitzen eine Fermentierung erreicht wird. Die Schoten enthalten zum Schluss ca. 1,5 bis 3 Prozent Vanillin.

Nutzung

Vanille dient als Aromastoff für viele Süßspeisen, Backwaren, Liköre, Bonbons und Parfüm. Seit dem 16. Jahrhundert ist sie eines der wichtigsten Gewürze für die Schokoladenindustrie.

Echte Vanille ist sehr teuer und begehrt. Zum einen wird mit einer Welternte von ca. 1000 Tonnen jährlich der Bedarf bei weitem nicht gedeckt. Zum anderen sind sowohl der Fermentierungsprozess als auch die Kultivierung sehr aufwendig. Die Kultivierung von Vanille wurde erst möglich, nachdem mehr über die Vermehrung von Orchideen bekannt war.

So benötigen viele Orchideen für ihr Wachstum einen bestimmten Pilz an ihren Wurzeln. Als Kletterpflanze wird Vanille meist auf Stangen oder Bäumen gezogen. Die Bestäubung wird sehr aufwendig von Hand und mit feinen Pinseln durchgeführt.

Künstliche Vanille wird aus den Bestandteilen des Nelkenöls (Eugenol) hergestellt; sie erreicht aber nicht das ausgeprägte Aroma von echter Vanille. Echten Vanillezucker kann man durch die schwarzen Pünktchen von künstlichem Vanillinzucker unterscheiden.

Dr. Cornelia Dziedzioch

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