Faszination Regenwald

Bild Orchideen

Orchideen – faszinierende Schönheiten

Dieser Text über Orchideen wurde mir freundlicherweise von Herrn Erich Grantzau, Seelze, zur Verfügung gestellt.

Die größte Familie im Reich der Pflanzen ist die Familie der Orchideen. Derzeit sind der Wissenschaft etwa 30.000 Arten bekannt. Hinsichtlich ihres Blütenbaus zählt die "Königin der Blumen" zu den fortschrittlichsten Blütenpflanzen. Die bekannteste Orchidee ist sicherlich die Vanille.

Im Gegensatz zu unseren heimischen, erdbewohnenden Orchideen wachsen in den tropischen Regenwäldern zahlreiche Orchideen als Aufsitzerpflanzen (Epiphyten) auf anderen Pflanzen, ohne jedoch deren Nahrung zu schmarotzen; sie werden deshalb auch als epiphytisch lebende Orchideen bezeichnet.

Während ihrer Evolution sind die epiphytisch lebenden Orchideen vom dunklen Waldboden in die lichtdurchfluteten Regionen der Baumkronen vorgedrungen und haben sich dort an ein Leben in der Höhe angepasst.

Orchideen leben nicht nur von Wasser und Luft

Die epiphytisch lebenden Orchideen bilden so genannte Luftwurzeln, mit denen sie sich an den Ästen und Stämmen der Bäume festklammern. Diese Luftwurzeln verfügen über besondere Eigenschaften: Sie bilden ein mehrschichtiges, sogenanntes Velamen radicum.

Das Velamen radicum ist im trockenen Zustand eine weiß beziehungsweise silbrig schimmernde Zellschicht, die in der Lage ist, durch zahlreiche große Poren Feuchtigkeit aus der Luft aufzunehmen. Gleichzeitig mit der Feuchtigkeit aus der Atmosphäre nehmen die Wurzeln der Orchideen auch die darin gelösten Nährstoffe auf. Viele Orchideen bilden in den Luftwurzeln auch Chlorophyll und können dadurch, wie grüne Blätter, Stoffwechsel betreiben.

Bild: Orchidee (1)   Bild: Orchidee   Bild: Velamen radicum

Links: Orchidee im Bergregenwald von Ecuador (2003). Mitte: Orchidee im Regenwald von Französisch-Guayana (2003). Rechts: Velamen radicum (Mikroskop). Das Velamen radicum (Wurzelhülle) einer Orchidee im mikroskopischen Querschnitt. Man erkennt (äußerste Schicht, unten) die großporigen abgestorbenen Zellen, mit denen die Orchideen Wasser und Nährstoffe aus der Luft aufnehmen. Einschubbild: Eine Zelle stärker vergrößert; gut zu sehen sind hier die Verstrebungen zur Verstärkung der Zellwand (Vergrößerung x400, Einschubbild: x1000).

Vielfach wird geglaubt, Epiphyten bräuchten wegen ihres Vorkommens in luftiger Höhe kaum oder keine Nährstoffe. Das ist falsch, denn über die häufigen Niederschläge in den Tropen gelangen die in der Luft enthaltenen Nährstoffe auch zu den Orchideen im Kronendach. Zu den in der Luft vorkommenden Nährstoffen gehören beispielsweise Ammoniak, Staubpartikel und viele mehr.

Im Laufe der Zeit bilden die epiphytisch lebenden Orchideen ein Wurzelgeflecht aus, in dem sich zahlreiche organische Stoffe sammeln, zum Beispiel Blätter, Algen, Moose, Exkremente von Tieren, abgestorbene Tiere und so weiter. Dieses organische Material wird unter tropischen Bedingungen schnell abgebaut. Die darin enthaltenen Mineralien werden freigesetzt und stehen den Orchideen dann als lebensnotwendige Nährstoffe zur Verfügung.

Interessant ist auch die folgende Nährstoffquelle der epiphytischen Orchideen. Epiphytisch lebende Orchideen beziehen Nährstoffe aus den Blättern der tropischen Urwaldriesen. Wie funtioniert das? Im tropischen Regenwald ist die Luftfeuchtigkeit meist sehr hoch. Die Pflanzen können über ihre Blätter nur wenig Wasser passiv (ohne Energieverbrauch) verdunsten, die Transpiration der Pflanzen ist gehemmt.

Bild: Kleine Orchidee

Orchidee, so groß wie ein Fingernagel (Französisch-Guayana, 2004)

Um trotzdem Wasser zu verdunsten, geben die Pflanzen aktiv (unter Verbrauch von Energie) Wasser ab, und zwar über Drüsenhaare oder Wasserdrüsen, die sich in den Blättern befinden. Biologen nennen den Vorgang "Guttation". Das Guttationswasser enthält Mineralstoffe, Zucker, und andere organische Verbindungen, die dankbar von den Orchideen aufgenommen werden.

Orchideen und Pilze

Die Samen der Orchideen sind nur mit wenigen Nährstoffvorräten ausgestattet; auch das liegt am geringen Nährstoffangebot im Kronenbereich der Regenwaldbäume. Wie wird trotzdem das Auskeimen der Samen gewähleistet? Pilze helfen den frisch ausgekeimten Orchideensamen solange sich zu ernähren, bis diese für sich selber sorgen können. Sie bilden eine Art Keimbett während der ersten Entwicklungsstadien einer jungen Orchidee.

Der Name "Orchidee"

Der Begriff "Orchis" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Hoden". Er bezieht sich auf die knollenförmige Gestalt der Wurzelknollen und verweist auch auf die aphrodisischen Kräfte, die den Pflanzen seit alters her zugeschrieben werden.

Auch Zimmerorchideen brauchen Nährstoffe

Liebhaber von Orchideen sollten ihren Pfleglingen nicht nur Wasser sondern häufiger oder ständig eine gering konzentrierte Nährlösung anbieten, denn so ist es ja auch in der tropischen Natur üblich. Kleinwüchsige Arten wie Oncidium ornithorhynchum vertragen zum Beispiel eine ständige Nährlösung mit 40 Milligramm Stickstoff, 25 Milligramm Phosphor und 60 Milligramm Kalium pro Liter Wasser. Stark wachsende und blühende Phalaenopsis-Hybriden brauchen dagegen die doppelte und dreifache Menge an Nährstoffen, wenn möglich in Regenwasser gelöst.

Erich Grantzau, Seelze

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