Faszination Regenwald

Bild Pflanzen im Regenwald

Pflanzen – der Weg zum Licht

Bäume prägen wie sonst keine andere Wuchsform den tropischen Regenwald, sie bilden die Lebensgrundlage für zahlreiche Lebewesen, seien es Pflanzen oder Tiere. Doch es ist finster im Erdgeschoss des tropischen Regenwalds. Um der Finsternis auf dem Urwaldboden zu entgehen, müssen Tiere und Pflanzen dorthin, wo es hell ist – sie müssen nach oben in die oberen Stockwerke, wo die Sonne scheint. Für Tiere scheint dies einfach, sie klettern und krabbeln in die luftigen Höhen der saftig grünen Baumkronen. Doch was machen die Pflanzen?

Kletterpflanzen

Kletterpflanzen nutzen Bäume als Leiter um nach oben zum Licht zu gelangen. Die bekanntesten Kletterer unter den Pflanzen sind die Lianan. Lianen sind verholzte Kletterpflanzen, die nur in tropischen Regenwäldern vorkommen.

In ihrer Keimphase wachsen sie vom Licht weg und suchen den Schatten eines Baums. Erst wenn sie den gefunden haben, wachsen sie nach oben zum Licht. Lianen wurzeln also im Boden, klettern nach oben und können bis zu 300 Meter lang werden, wobei sie das Kronendach in einem Gewirr kreuz und quer durchziehen.

Tarzan und die Liane

Es ist unwahrscheinlich, dass sich Tarzan an einer Liane durch den Urwald geschwungen hat, denn Lianen sind verholzt und wenig elastisch. Viel wahrscheinlicher ist, dass er an einer kräftigen Luftwurzel hing.

Aufsitzerpflanzen

Pflanzen, die nicht wie die Lianen klettern können, haben sich etwas anderes ausgedacht um einen Platz an der Sonne zu ergattern. Sie setzen sich auf andere Pflanzen, meistens Bäume, und benutzen deren Stämme, Äste und Blätter als Träger. Daher der Name "Aufsitzerpflanzen" oder wissenschaftlich "Epiphyten".

Die Samen der Aufsitzerpflanzen werden oftmals von Tieren in die Baumkronen verfrachtet. Aufsitzerpflanzen wachsen fast überall in den oberen Stockwerken des tropischen Regenwalds, es scheint, als sei jeder Quadratmillimeter von ihnen besiedelt. Die bekanntesten Aufsitzerpflanzen sind die Orchideen und Ananasgewächse (Bromelien), aber auch Farne und Moose gehören dazu.

Harmlos entwickelt sich Würgefeige zu Beginn ihres Lebens als Aufsitzerpflanze im Kronendach eines Baums. Doch ihr weiteres Leben ist fast immer mit dem Tod ihres Wirtsbaums verbunden.

Vorschaubild: Umgefallene Würgefeige  Vorschaubild: Duguetia cadaverica

Links: Umgefallene Würgefeige. Rechts: Blüte von Duguetia cadaverica (Französisch-Guayana, 2004). Duguetia cadaverica) wächst auf dem Urwaldboden und verströmt einen intensiven Aasgeruch. Der Duft soll auf dem finsteren Urwaldboden Bestäuber anlocken.

Nutzpflanzen aus dem Regenwald

Sehr viele unserer Nutzpflanzen kommen ursprünglich aus den Tropen oder werden in den Tropen angebaut. Den Anfang macht die Banane eine der beliebtesten Früchte überhaupt. Weiter geht es mit der Vanille, die Geschmackstoff für Speiseeis, Pudding und viele andere Köstlichkeiten ist. Außerdem werden Ursprung, Geschichte und Besonderheiten von Zimt, Ingwer und der Feige vorgestellt.

Wie viele Pflanzen gibt es im tropischen Regenwald?

Oft werde ich gefragt, wie viele Pflanzen es im tropischen Regenwald gibt, oder wie viele Pflanzen-und Tierarten auf einem Quadratmeter Regenwald leben. Diese Fragen sind natürlich schwer zu beantworten. Hier ein Rechenbeispiel, wie viele Arten auf einem Quadratmeter rechnerisch vorkommen.

Etwa 17 Millionen Quadratkilometer der Landfläche der Erde sind von tropischen Regenwäldern bedeckt. Ein Quadratkilometer hat 1 Million Quadratmeter. 17 Millionen Quadratkilometer entsprechen somit 17 Billionen Quadratmeter. Nehmen wir an, es gäbe etwa 30 Millionen Tier-und Pflanzenarten, von denen 27 Millionen (90 Prozent) in den tropischen Regenwäldern leben. Dann fänden sich 0,0000016 Arten pro Quadratmeter, sofern jede Art nur mit einem Individuum vorkäme. Das ist nicht der Fall, weswegen der Wert noch mit der Zahl der Individuen multipliziert werden müsste.

nach oben nach oben