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05. November 2013

Das traurige Ende der Yasuní-ITT-Initiative

Im Amazonastiefland im Osten Ecuadors an der Grenze zu Peru im Norden liegt der Nationalpark Yasuní (Yasuní). Er erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 10.000 Quadratkilometern und ist umgeben von einer 10 Kilometer breiten Pufferzone. Seinen Namen hat der Nationalpark von dem Fluss Yasuní, einem Nebenfluss des Napo, der in den Amazonas mündet (Abbildung 1, A). Wissenschaftler zählen den Nationalpark zum Kernbereich des Ökosystems Amazonas ("Core Amazon"). Viel Regen und durchschnittliche Temperaturen von 24°C bis 27°C (jeden Monat) kennzeichnen das Klima Yasunís. In Teilen des Nationalparks gibt es mindestens zwei Völker der Waorani (oder Huaorani), die freiwillig und völlig isoliert hier leben.

Abbildung 2

Abbildung 1 - Der Yasuní-Nationalpark: A) Lage des Yasuní-Nationalparks in Ecuador. B) Ölfelder und Zugangsstraßen in und um den Nationalpark. ITT = Ishpingo-Tambococha-Tiputini oil fields, NWC = Napo Wildlife Center, TBS = Tiputini Biodiversity Station, YRS = Yasuní Research Station. (© Bass MS, Finer M, Jenkins CN, Kreft H, Cisneros-Heredia DF, et al. (2010) Global Conservation Significance of Ecuador’s Yasuni´ National Park. PLoS ONE 5(1): e8767).

Yasuní – Zentrum der Artenvielfalt

Generell gilt die Region um den Nationalpark als ein Zentrum der Artenvielfalt, als eine der artenreichsten Regionen der Welt. Verteilungskarten zeigen, dass hier, einzigartig in Südamerika, gleich vier taxonomische Gruppen die größtmögliche Artenvielfalt erreichen: Amphibien, Vögel, Säugetiere und höhere Pflanzen (Abbildungen 2 und 3). Trotzdem gibt es in dieser artenreichen Region nur einen streng geschützten Bereich (IUCN Stufen I-IV): Yasuní. Im Jahr 1989 erklärte die Unesco den Nationalpark zum Biosphärenreservat.

Abbildung 2

Abbildung 2 - Artenvielfalt: A) Amphibien, B) Vögel, C) Säugetiere, und D) höhere Pflanzen. Je stärker die Rotfärbung, desto höher die Artenvielfalt. Wenige Arten gibt es in den blauen Bereichen (hauptsächlich in den Anden). (© Bass MS, Finer M, Jenkins CN, Kreft H, Cisneros-Heredia DF, et al. (2010) Global Conservation Significance of Ecuador’s Yasuni´ National Park. PLoS ONE 5(1): e8767).

Yasuní – unerschlossene Ölfelder

Der Nationalpark erstreckt sich nur auf 14 Prozent dieses Zentrums der Artenvielfalt, während sich aktive oder geplante Öl-Konzessionen auf 79 Prozent (!) erstrecken. Und hier liegt auch das gravierende Problem von Yasuní. Das zweitgrößte unerschlossene Ölfeld Ecuadors liegt unterhalb des weitgehend intakten nordöstlichen Teils des Nationalparks, der sogenannte "ITT"-Block mit dem Ishpingo-, Tambococha- und Tiputini-Ölfeld (Abbildung 1, B). Der angrenzende Block 31, enthält weitere ungenutzte Ölfelder auf dem Gebiet Yasunís.

Die Yasuní-ITT-Initiative

Nach starkem internationalen Widerstand gegen Ölbohrungen in Yasuní, machte der Präsident von Ecuador, Rafael Correa, der UNO im Jahr 2007 einen interessanten Vorschlag. Das Öl wird dauerhaft nicht gefördert und Yasuní bleibt unberührt, dafür erhält Ecuador im Austausch eine finanzielle Entschädigungvon der internationalen Gemeinschaft oder aus dem Handel mit Zertifikaten für Kohlendioxid-Emissionen. Die primären Ziele der Yasuní-ITT-Initiative sind:

  • Schutz der territorialen Ansprüche der indigenen Bevölkerung,
  • Klimaschutz, indem 410 Millionen Tonnen Kohlendioxid nicht in die Atmosphäre freigesetzt werden,
  • Schutz des Nationalparks und seiner einzigartigen Artenvielfalt.

Als Ausgleich wurden von der ecuadorianischen Regierung 3,6 Milliarden Dollar in zehn Jahren gefordert. Das ist in etwa die Hälfte dessen, was Ecuador mit der Förderung des Erdöls verdient hätte.

Abbildung 3

Abbildung 3 - Yasuní, Zentrum der Artenvielfalt: Im roten Bereich erreichen vier taxonomische Gruppen die größtmögliche Artenvielfalt: Amphibien, Vögel, Säugetiere und höhere Pflanzen. (© Bass MS, Finer M, Jenkins CN, Kreft H, Cisneros-Heredia DF, et al. (2010) Global Conservation Significance of Ecuador’s Yasuni´ National Park. PLoS ONE 5(1): e8767).

Das Ende der Yasuní-ITT-Initiative

Im August 2013 hat Rafael Correa die Yasuní-ITT-Initiative für gescheitert erklärt: „Die Welt hat uns im Stich gelassen“, so Correa. Bisher wurden nur rund 340 Millionen Euro zugesagt und sogar nur 13 Millionen eingezahlt. Wegen mangelnder internationalen Unterstützung wird Ecuador zukünftig im Bereich des Yasuní-Nationalparks nach Erdöl bohren. Zwar verbietet das ecuadorianische Gesetz, dass in Schutzgebieten Erdöl gefördert wird. Doch werden Ausnahmen hiervon geduldet, wenn nationale Interessen ins Spiel kommen.

Die Konsequenzen der Ölförderung im Yasuní-Nationalpark wären dramatisch. Mit dem Bau von Zufahrts- und Transportstraßen beginnt die Zerstörung des Regenwalds. Holzfäller und Siedler dringen in die unberührten Wälder ein. Durch Ölunfälle, wie sie in der Vergangenheit häufiger in Ecuador geschehen sind, wird Erdöl über Flüsse weitläufig verbreitet und schädigt Tiere und Pflanzen.

  • Am 3. Oktober 2013 hat das ecuadorianische Parlament den umstrittenen Ölbohrungen zugestimmt. 108 Abgeordnete stimmten der Vorlage von Präsident Correa zu, 25 Abgeordnete stimmten dagegen. Begleitet wurde die Abstimmung von friedlichen Demonstrationen vor dem Parlamentsgebäude in Ecudors Hauptstadt Quito.
  • Seit 14. Oktober 2013 sammeln Freiwillige Unterschriften für einen Volksentscheid in Ecuador zur Rettung des Yasuní-Nationalparks. Um die Entscheidung zu beeinflussen, müssen fünf Prozent der Ecuadorianer (600.000) zustimmen.
  • Am 22. Mai 2014 hat die ecuadorianische Regierung bekannt gegeben, dass der Staatskonzern Petroamazonas EP mit den Ölbohrungen im Yasuní-Nationalpark Anfang 2016 beginnen wird.

Informationen und Abbildungen aus: Bass MS, Finer M, Jenkins CN, Kreft H, Cisneros-Heredia DF, et al. (2010) Global Conservation Significance of Ecuador’s Yasuni´ National Park. PLoS ONE 5(1): e8767.

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